Pforzheim:

Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 30.05.2014.

Pforzheim um 1925, Leopoldplatz, Blick nach Osten

 

Pforzheim, die 3-Täler-Stadt an der Pforte zum Schwarzwald

 

Entstehung

Am Anfang war eine römische Niederlassung - Portus genannt - an der Enzfurt, dort, wo sich heute noch der älteste Stadtteil, die "Altenstatt" oder Altstadt befindet. Später kamen die Alemannen, und aus dem römischen Portus und der germanischen Ortsnamenendung "-heim" kann der Name Pforzheim abgeleitet werden.

Schon im frühen Mittelalter war Pforzheim ein bekannter Marktort, wie aus einer Urkunde aus dem Jahr 1067 hervorgeht. Seine günstige Lage an der großen West-Ost-Durchgangsstraße und am Rande des besiedelten Schwarzwaldes war für seine wirtschaftliche Entwicklung zu allen Zeiten von großem Vorteil.

Aus strategischen Gründen wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts am Fuße des Schloßberges, unweit der alten Siedlung, planmäßig eine neue Stadt angelegt, die gebietsmäßig den Stadtkern Pforzheims zu Ende der 1950er Jahre bildet. Wahrscheinlich war Markgraf Hermann V. von Baden ihr Gründer, der um 1220 durch Heirat in Besitz dieses Gebietes gelangt war und unter dessen Herrschaft die alte Burg zu einem Fürstenschloß ausgebaut und die starke Stadtbefestigung angelegt wurde. Pforzheim war lange Zeit fürstliche Residenz und die neuerbaute Schloßkirche wurde Begräbnisstätte seines Geschlechts.

[Aus: Kurt Werkmeister: Pforzheim - ewig junge Stadt, Stark-Verlag Pforzheim 1959]

 

Entwicklung bis 1945

Die Zeit der markgräflichen Herrschaft gab Pforzheim eine vorübergehende wirtschaftliche Blüte und ein reges kulturelles Leben, Reuchlin nannte seine Vaterstadt "eine Zierde der Kunst". Für die Zukunft der Stadt waren jedoch höfisches Leben und die damit verbundene geistige und kulturelle Betriebsamkeit weniger ausschlaggebend als die Kräfte von Handwerkertum und Gewerbe.

Das älteste, bodenständigste und angesehenste Gewerbe übten die Flößer aus, die in der Vorstadt "Au" wohnten und die den Holzreichtum des Schwarzwaldes auf den Flüssen bis zum Meer transportierten. Der Holzhandel beherrschte die Wirtschaft der Stadt und hatte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine wesentliche Bedeutung.

Als der Landesherr seine Residenz nach Durlach verlegte und er damit Pforzheim endgültig den Rücken kehrte, hinterließ er mit einer Episode seines Wirkens, ohne daß er es vorausahnen konnte, der Stadt ein schicksalhaftes Erbe, mit dem der Weg für eine ganz andere gewerblich-industrielle Entwicklung vorgezeichnet wurde, der zur späteren wirtschaftlichen Bedeutung Pforzheims führte:

1767 ließ sich der Markgraf Karl-Friedrich von Baden von dem französischen Uhrmacher Autran, unterstützt durch die Fürsprache der Markgräfin Karoline, dazu überreden, im Pforzheimer Landeswaisenhaus eine eigene Uhrenfabrik zu gründen. Aus der Schweiz holte man gute Fachleute und mit den Waisenhaus-Zöglingen hatte man billige Arbeitskräfte, um das Unternehmen rentabel zu gestalten. Bald ging man im Waisenhaus auch zur Herstellung von Goldschmuck über.

Als nach einigen Jahren die Fabrikation zufriedenstellend verlief, ließ er die Uhrenherstellung von den Franzosen Christin und Viala, die Bijouteriefabrikation von Autran und dem englischen Kaufmann Ador getrennt weiterführen. Die Uhren konnten nicht gegen die Konkurrenz der Schweizer Produkte bestehen, die Produktion wurde während der Napoleonischen Kriege eingestellt.

Zunächst hatten Autran und Ador mehr Glück, dann kam der Zusammenbruch des fürstlichen Experiments - der ungetreue Autran wurde degradiert und der geschäftstüchtige Ador kaufte die Fabrik auf. Seinem Engagement ist es zu verdanken, daß er bald darauf bereits 300 Arbeiter beschäftigen konnte und daß der Pforzheimer Schmuck in der ganzen Welt bekannt wurde.

In den Jahren vor der französischen Revolution wurde in Pforzheim jährlich Feingold im Wert von 2 Millionen Gulden verarbeitet, für den damaligen Maßstab ein stattlicher Verbrauch.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde die Pforzheimer Fabrikation sehr mannigfaltig: vom geschmackvollen Modeschmuck bis zum feinsten und teuersten Juwelenstück und darüber hinaus bis zur Verarbeitung von Gold und Silber und unechtem Metall für Gebrauchsgegenstände aller Art, wie Tafelgeschirr und -Bestecke, Etuis und andere Metallwaren, wurde nun in der "Goldstadt" von 30000 Arbeitern alles hergestellt, was auf den Weltmärkten in dieser Verarbeitung gekauft wurde.

Nach dem 1. Weltkrieg ging es trotzdem bald wieder aufwärts, sogar die Uhrenindustrie hielt wieder neuen Einzug in Pforzheim. Aus der Schmuckstadt wurde nun die "Schmuck- u n d Uhrenstadt", denn Pforzheims Armbanduhren gewannen Weltgeltung.

Die in wirtschaftlicher Blüte stehende Stadt wurde kurz vor Ende des 2. Weltkrieges in einem einzigen Bomberangriff in der Nacht auf den 23. Februar 1945 innerhalb von 20 Minuten nahezu vollständig zerstört. Mehr als 17000 Menschen, damals fast ein Viertel der Bewohner, wurden getötet.

[Aus: Kurt Werkmeister: Pforzheim - ewig junge Stadt, Stark-Verlag Pforzheim 1959]

 

Entwicklung nach 1945

Bei dem Bomberangriff am 23. Februar 1945 wurde die Stadt zu 80% zerstört, in großen Teilen der Innenstadt blieb kein Stein auf dem anderen. Dazu Auszüge aus dem 1963 erschienenen Buch "23. Februar 1945 - Augenzeugenberichte vom großen Fliegerangriff auf Pforzheim" von Esther Schmalacker-Wyrich:

"Pforzheim / Germany

Sonntag, den 12. August 1945

... Pforzheim hat am 23. Februar 1945 als Stadt aufgehört zu existieren. Das Ergebnis eines 27 Minuten dauernden Angriffs der Royal Air Force ist ein Trümmerhaufen, der hunderte von Toten bedeckt, die man zu den 28000 während des Angriffs Getöteten hinzuzählen muß. Die Stadt brannte neun Tage lang. Die Straßen waren mit Toten und Sterbenden übersät, die keiner anzurühren wagte. Die Menschen fanden einigen Schutz vor der starken Hitze der brennenden Gebäude in der Enz. Viele starben nicht an den direkten Folgen der Bombardierung, sondern erstickten am Sauerstoffmangel. Pforzheim war im wahrsten Sinne des Wortes eine "Hölle auf Erden" und jeder, der dorthin kommt, wird leicht verstehen, warum ...

... die einst blühende Stadt ist heute eine Geisterstadt. Man zweifelt, ob sie je wieder aufgebaut wird. So wie die Dinge heute liegen, wird es viele, viele Jahre dauern, ehe man beginnen wird, auch nur den Schutt abzutragen ...

(Übersetzt aus einer Veröffentlichung des 399. Infanterieregiments der 100. U. S. Division, das Anfang Juli 1945 die französische Besatzung in Pforzheim ablöste.)"

"Der Angriff wurde in mehreren Wellen von Osten her mit 368 Maschinen der Britischen Luftwaffe geflogen. 361 Lancasters und 7 Mosquitos waren von Flugplätzen in Yorkshire, Lincolnshire und East Anglia gestartet. 22 Minuten lang wurden auf Pforzheim Luftminen, Sprengbomben, Brandbomben, Phosphorkanister und Flammstrahlbomben mit einem Gesamtgewicht von rund 28000 Zentnern geworfen. Darunter waren 330 Luftminen bzw. Sprengbomben zu je 36 Zentnern. Diese Angaben beruhen auf einer Mitteilung des britischen Luftfahrtministeriums ...

... Von den Ortschaften auf den Höhen um Pforzheim sah es aus, als ob ein Feuerregen auf die Stadt niederflöße. Der glutrot gefärbte Himmel war bis über Tübingen hinaus zu sehen."

"Eine im Jahr 1948 vom Statistischen Amt vorgenommene sorgfältige Schätzung der Verluste an Menschenleben kommt auf die Zahl 17600. Darin sind auch die Toten der früheren Fliegerangriffe auf Pforzheim enthalten, die jedoch kaum ins Gewicht fallen. Die genaue Zahl wird sich nie feststellen lassen. Noch viele Jahre lang wurden unter den Trümmern immer wieder Leichen gefunden. Zur Zeit des Großangriffs betrug die Bevölkerungszahl rund 65000. Die Zahl der Toten ergibt einen Verlust von 27 Prozent. Dieses Verhältnis ist außerordentlich hoch und dürfte kaum von einer anderen deutschen Stadt als Folge des Luftkrieges erreicht worden sein. Dabei war es praktisch das Ergebnis eines einzigen Angriffs. ...

... Sämtliche in der Innenstadt gelegene öffentliche Gebäude waren vernichtet, u.a. der Bahnhof, die Hauptpost, das Rathaus. ...

... Die Trümmermasse in Pforzheim betrug 2 300 000 Kubikmeter, das waren pro Kopf der Bevölkerung Ende 1945 = 54,5 Kubikmeter."

Trotz des immensen Ausmaßes an Zerstörung haben die Pforzheimer ihre Stadt wieder aufgebaut und relativ schnell zu neuer Blüte geführt. Für die Bau-Unternehmen gab es Arbeit ohne Ende, die Stadt mußte von Schutt befreit werden, ehe man an Wiederaufbau denken konnte. Alles, was man nicht für einen Neuaufbau wiederverwerten konnte, wurde am Wallberg am Stadtrand aufgeschüttet. Von allen Richtungen sichtbar stellt er, damals wie heute, ein Mahnmal dar. Die meisten Pforzheimer nennen ihn "Monte Scherbelino" und ich bin mir nicht einmal sicher, ob alle wissen, warum er so genannt wird. Seit 2005 gibt es übrigens auf der Spitze des Wallberg ein Mahnmal. Leider muß ich gestehen, daß ich persönlich der Ansicht bin, daß der Berg selbst schon Mahnmal genug ist und ein Gedenkstein völlig ausreichend gewesen wäre.

Die Schmuck- und Uhrenindustrie erlebte ihre Auferstehung, aber auch andere vielfältige Wirtschaftszweige erholten sich bald bzw. siedelten sich neu an. Darunter sind viele Maschinenbauer und Zulieferbetriebe für die Schmuck- und Uhrenfabriken, aber auch davon unabhängige Metallverarbeiter. Darüberhinaus gibt es eine große Anzahl kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe, die sich im Lauf der Jahre weiterentwickeln und zum Teil bis heute existieren.

Pforzheim wächst stetig, vor allem mit Beginn der 70er Jahre. Neue Wohngebiete entstehen, vor allem in südlichen Richtungen: Haidach im Südosten, Sonnenberg und später Sonnenhof im Südwesten, Südstadthang um die neu entstehende Fachhochschule für Wirtschaft. Verschiedene naheliegende Enzkreisgemeinden werden als Stadtteile einverleibt und wachsen infrastrukturell und bebauungstechnisch zusammen.

Trotz allen Anstrengungen trägt die Stadt ihre Kriegsnarben in Form von innerstädtischen Baulücken in Verbindung mit architektonisch gewöhnungsbedürftigen Bauwerken bis zum heutigen Tag. Wer einmal zu Fuß die Stadt erkundet, zwischen Oststadtpark und Meßplatz, zwischen Pfälzer Platz und Turnplatz, der wird verstehen, was ich meine.

Pforzheim hat heute mit den klassischen Problemen zu kämpfen, die vielen anderen Städten und Gemeinden ebenfalls Sorgen bereiten: Infrastrukturelle Versäumnisse der letzten 20 Jahre werden langsam akut, Firmeninsolvenzen und Erwerbslosenquote schmälern die Einnahmen der Stadt während der Verwaltungsaufwand immer mehr aufgebläht wird, finanzielle Rücklagen aus guten Jahren gibt es nicht oder sie wurden anderweitig und nicht immer sinnvoll ausgegeben, et cetera.

Wer Details zu Pforzheim sucht, wird sicher auf der Internet-Präsenz der Stadt (siehe linke Seite) fündig werden oder in diversen Quellen des www mit Hilfe von Suchmaschinen.

Abschließend habe ich einige Postkarten-Ansichten verschiedener Epochen zusammengestellt, die ich im Lauf der Zeit gesammelt habe.

 

Stadt-Ansichten

Pforzheim um 1920, Hildaschule

 

Pforzheim um 1970, Blumenhof mit Dreitäler-Brunnen

 

Pforzheim um 1975, Auerbrücke, Zusammenfluß von Enz und Nagold

 

Pforzheim um 1970, Neue Stadtkirche (erbaut 1965-68)

 

Pforzheim um 1975, Marktplatz

 

Pforzheim um 1975, Blick vom Turm der Stadtkirche nach Osten, im Hintergrund der Wallberg

 

Pforzheim um 1975, Leopoldplatz, Blick nach Osten, im Hintergrund Haidach

 

Pforzheim um 1960, Zusammenfluß von Enz und Nagold, Ruine der alten Stadtkirche

 

Pforzheim um 1970, Zusammenfluß von Enz und Nagold, Neue Stadtkirche

 

Pforzheim um 1940, Zusammenfluß von Enz und Nagold mit Stadtkirche und Enzarkaden

 

Pforzheim um 1900, Marktplatz mit Rathaus

 

Pforzheim ca. 1920, Marktplatz, Blick nach Norden

 

Pforzheim ca. 1930, Marktplatz, Blick nach Norden

 

Pforzheim ca. 1930, Zusammenfluß von Enz und Nagold

 

Pforzheim um 1930, Hindenburgbrücke über die Nagold (heute Kallhardtbrücke), im Hintergrund ist der Kupferhammer zu erkennen, damals wie heute ein beliebtes Ausflugsziel am Zufluß der Würm

 

Pforzheim Stadtteil Arlinger um 1966, die Bilder der Kirchen sind versehentlich vertauscht

 

Pforzheim Stadtteil Brötzingen um 1966, die abgebildeten Gebäude existieren so noch heute

 

Pforzheim um 1980, Aufnahme nach Osten vom alten Wasserturm aus

 

Pforzheim-Wartberg ca. 1965, Firmengebäude der Gebrüder Stöber Maschinenfabrik, heute Stöber Antriebstechnik GmbH+Co.KG, an der Kieselbronner Straße, im Hintergrund das Wartberg-Freibad