Dual 1001 U

 
 
 

 

Chassis aus dem Jahr 1950/51 mit Kristall-Safirdose.

Das Gerät war in Truhen verschiedener Hersteller verbaut und in der DUAL-Schatulle Nr. 14.

Dieses Gerät hat die Chassis-Nr. 48064, es ist funktionsfähig und die mehrfach unterbrochene Revision ist weitgehend abgeschlossen. Alle fehlenden oder beschädigten Teile konnten von mir in der Zwischenzeit beschafft oder repariert werden. Sogar das System CS 2 habe ich wieder in einen brauchbaren Zustand versetzen können. Näheres dazu siehe unten oder im Kapitel INFO.

Das Gerät habe ich jetzt bereits so lange, daß ich mich nicht mehr erinnern kann, woher es stammt. Ich glaube, daß ich es von einem meiner ersten Besuche in St. Georgen im Jahr 2000 oder 2001 mitgebracht habe. Die Jahre sind nicht ganz spurlos an diesem Gerät vorbeigegangen, aber ein gewissen Maß an Patina verleiht einem solchen Gerät doch erst recht etwas mehr Authentizität. Die Mängel sind aber rein optischer Natur, technisch ist alles in Ordnung, dieses Gerät ist in jedem Fall erhaltenswert. Ich glaube nicht, daß von diesem Modell noch übermäßig viele Exemplare in vergleichbarem oder besserem Zustand überlebt haben. Was jetzt noch fehlt ist eine passende Konsole, die ich nach gleicher Art herstellen werde, wie ich die für den ELAC Miracord 3 angefertigt habe.

Chassis 1001 W / 1001 U:

Plattenwechsler-Chassis in Ausführung Wechselstrom (W) bzw. Allstrom (U) mit Kristall-Tonabnehmerdose und Safirnadel (Telefunken CS 2)

Auflagegewicht 23 - 28 g, Auslenkdruck 12 g/100 µ

Einknopf-Bedienung; 8 - 10 Platten mit Durchmesser 25 und 30 cm; gemischtes Abspielen, Unterbrechung und Wiederholung möglich; Pausenschalter stufenlos von 0 - 6 Minuten regelbar, Pausen können nach Wahl zwischen jeder oder jeder zweiten Platte eingelegt werden; Kurzschließer zur Verhinderung lästiger Nadelgeräusche beim Plattenwechsel

Abmessungen der Platine: 360 x 320 mm, 130 mm über der Platine / 90 mm unter der Platine, Gewicht: 10 kg

Passende Schatulle Nr. 14, 600 x 490 x 320 mm, 25 kg (incl. Chassis)

Preise 1951/52:

1001 W - DM 245,-

1001 U - DM 257,-

W 14 (Schatulle Nr. 14 mit 1001 W) - DM 358,-

U 14 (Schatulle Nr. 14 mit 1001 U) - DM 370,-

 

 
 
 
 

 

Bilder unten:

Einknopf-Bedienung: Bei Bewegen in Stellung 1 Schaltet nur der Motor an und der Teller dreht (z.B. für manuelles Auflegen ohne Wechselautomatik); Durch Schieben in Position 2 wird die Wechselautomatik in Gang gesetzt (Knopf geht wieder in Stellung 1 zurück); Betätigt man während des Spiels den Knopf in Position 3 (Knopf geht wieder in Stellung 1 zurück), wird die gerade gespielte Platte nach dem Abspielen wiederholt; Der Knopf kann jederzeit in Stellung 0 / Stop geschoben werden, nach Abspielen der letzten Platte passiert das automatisch.

Pausenspiel-Bedienknopf: Stellung 0 (keine Pause), Stellung 2 (Pause jede zweite Platte), Stellung 1 (Pause jede Platte), Knebelschalter (stufenlose Minuteneinstellung 0 - 6).

Tonarm-Arretierung: Liegt der Tonarm auf der Stütze auf, kann durch Verschieben des links davon angeordneten Knopfes der Tonarm arretiert werden. Beim Einschalten des Motors wird die Arretierung automatisch freigegeben.

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 

Mit dem Drehzahl-Hebel kann die Tellergeschwindigkeit im Bereich von ungefähr 73 - 83 UPM eingestellt werden.

 

 
 
 
 

 

Das instandgesetzte Kristall-System in der Original-Verpackung. Näheres dazu siehe weiter unten.

Ein Nadelwechsel konnte bei diesem System leider nicht durchgeführt werden, es musste immer die komplette Tonkapsel ersetzt werden!

 

 
 
 
 
 

Reparaturvorschlag für System TELEFUNKEN CS 2 (für DUAL 1001U)

 

Nach mittlerweile über 50 Jahren sind die Kristallsysteme von Telefunken mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr funktionsfähig. Erschwerend kommt hinzu, daß bei Nadelschäden oder Nadelverschleiß immer die komplette Tonkapsel getauscht werden muß, weil es sich um ein geschlossenes System handelt.

Wenn man mit Hilfe eines Rasiermessers die Kapsel entlang der Klebenaht vorsichtig öffnet, kann man einen Blick auf das Innenleben erlangen, das meistens in ähnlichem Zustand wie unten abgebildet sein dürfte:

 

 

Angesichts der Tatsache, daß kein anderes System an den Tonarm des 1001 U angebaut werden kann und die Aussicht, ein funktionsfähiges Exemplar zu bekommen de facto gleich Null ist, habe ich mir überlegt, wie man das Innenleben eines moderneren Systems in das originale CS2-Gehäuse implantieren kann.

Im ersten Schritt sollte man sich vergewissern, daß die Nadelspitze und der Nadelträger nicht beschädigt sind. Dazu müssen zunächst alle Reste des ehemaligen Kristallplättchens vom Nadelträger und den Gehäuseteilen entfernt werden.

 

 

Zur Untersuchung der Nadelspitze sollte man in ein Fachgeschäft gehen. Da heute nicht mehr jedes Geschäft über die notwendige Ausrüstung zur Untersuchung von Tonabnehmern (Mikroskop) verfügt, muß man u.U. einige Geschäfte abklappern.

Sollte die Nadelspitze beschädigt sein, dann muß man zunächst jemanden finden, der die alte Nadel aus dem Kunststoffträger entfernen und durch eine neue ersetzen kann. Dabei muß man darauf achten, daß die neue Nadel nicht in den Träger eingeklebt wird. Sie darf nur eingesteckt und ganz oben am Austritt aus dem Träger mit etwas Kleber fixiert werden, sonst kann sie später bei Bedarf nicht nochmals auf diese Weise ersetzt werden!

 

 

Für das neue Innenleben muß ein anderes System geopfert werden, welches man natürlich vorher auf Funktion prüfen sollte. Ich habe mich für ein weitverbreitetes 60er/70er-Jahre-System T25 von Telefunken entschieden, weil es relativ gut zu zerlegen ist und 2 Kristallplättchen liefert, die maßlich sehr gut passen und von denen man nur eines braucht!

Bei der Demontage muß man sehr sorgfältig vorgehen um die Plättchen nicht zu zerbrechen oder die extrem dünnen Anschlußfahnen abzureißen. Deshalb ist es immer von Vorteil, ein Plättchen in Reserve zu haben!

Das Funktionsprinzip bei einem Kristallsystem beruht ja bekanntermaßen darauf, daß bei mechanischer Krafteinwirkung eine Spannung erzeugt wird, deren Größe proportional zur Kraft ist. Um diesen Effekt zu nutzen, muß das Plättchen an einer Stelle fix und an anderer Stelle beweglich gelagert werden.

Die bewegliche Stelle muß die Auslenkung der Nadel zulassen und eine leichte Dämpfung bewirken, welche die Auslenkung der Nadel begenzen soll.

 

 

Ich habe die beiden Teile zum Aufnehmen des Plättchens aus einem Stück transparentem Gummi mit ca. 2 mm Dicke ausgeschnitten und maßlich an die Aussparungen von Nadelträger und Gehäuseteilen angepaßt.

Das Kristallplättchen sollte in der Mitte des Gehäuses, in Einbaulage senkrecht stehend, ohne Berührung der Gehäuseteile gelagert sein. Den Führungszapfen des Nadelträgers habe ich dazu mit einem Stück dünnen Schrumpfschlauch (schwarz) versehen, da sonst die Nadel ohne Führung und viel zu beweglich wäre.

Die elektrische Verbindung von den Kontaktplatten am Gehäuse zu den Anschlußfahnen des Kristallplättchens habe ich mit zwei einzelnen Kupferlitzen (aus mehrdrähtiger Litzenleitung) hergestellt. Das Verlöten mit den Anschlußfahnen kann aufgrund der sehr geringen Materialstärke etwas problematisch sein, da muß man sehr vorsichtig sein.

Um ein gegenseitiges Berühren der Anschlußfahnen zu vermeiden, habe ich eine nach rechts und die andere nach links um die obere Fixierung gebogen. Man kann es erkennen, wenn man verfolgt, wohin die Kupferlitze führt.

 

 

Jetzt kann man den Deckel der Tonkapsel wieder schließen. Beim Zusammendrücken der beiden Gehäuseteile kann es passieren, daß sich der mit Schrumpfschlauch fixierte Nadelträger aus seiner Position in der Mitte verschiebt. Das sollte vor dem endültigen Zusammenfügen korrigiert werden.

Zum Verschließen kann evtl. etwas Kleber verwendet werden. Im eingebauten Zustand wird das System aber von beiden Seiten eingeklemmt, sodaß es nicht auseinanderfallen kann und ein Kleben unnötig macht. Ich habe mich dafür entschieden, die Teile nicht zu verkleben, das bleibt aber jedem selbst überlassen. In jedem Fall sollte man vor dem Kleben erst ausprobieren, ob auch alles funktioniert!

Die Lautstärke, die sich somit realisieren läßt, ist sehr wahrscheinlich kleiner, als dies beim Originalzustand der Fall war. Aber es kommt ein deutliches und unverzerrtes Signal heraus, mit dem es sich leben läßt - vorausgesetzt man hat alles richtig gemacht.

Ich wünsche viel Erfolg beim Nachbau!

 

Dual 1001 U

 

Stand 12.06.2013