Dual CL 190

 
 
 

 

Technische Daten:

(Quellennachweis: http://dual.pytalhost.eu/cl122s/122-11.jpg)

Übertragungsbereich 20 Hz - 25 kHz nach DIN 45500

Eigenresonanz 50 Hz

Nennscheinwiderstand 4 Ohm

Nennbelastbarkeit 70 W

Musikbelastbarkeit 100 W

Betriebsleistung 2,4 W (gemessen unter Wohnraumbedingungen, Meßsignal rosa Rauschen, Mikrofonabstand 3 m, Schalldruck 4 µb bzw. 86 dB)

Empfohlene Verstärkerleistung 15 - 80 W/Kanal

Klirrfaktor nach DIN 45500 gemessen bei Betriebsleistung 100 Hz - 25 kHz < 1 %

Bestückung:

1 Spezial-Tieftonlautsprecher (L1) D=300 mm, Schwingspule D=37 mm, Luftspaltinduktion 12000 Gauß, magnetischer Fluß 102000 Maxwell.

2 Spezial-Tief-Mitteltonlautsprecher (L2 und L3) D=130 mm, Schwingspule D=25 mm, Luftspaltinduktion 12000 Gauß, magnetischer Fluß 57000 Maxwell.

1 Spezial-Mitteltonlautsprecher (L4) mit hemisphärischer Kalottenmembran (dome type) D=37 mm, Schwingspule D=37 mm, Luftspaltinduktion 12000 Gauß, magnetischer Fluß 102000 Maxwell.

1 Spezial-Hochtonlautsprecher (L5) mit hemisphärischer Kalottenmembran (dome type) D=25 mm, Luftspaltinduktion 12000 Gauß, magnetischer Fluß 31000 Maxwell.

6 LC-Frequenzweichen, Trennfrequenzen 250 Hz / 800 Hz / 6000 Hz, Filtersteilheit 12 dB/Oktave

Abmessungen:

790 x 430 x 250 mm (H x B x T), Bruttovolumen 85 l, Gewicht 23,5 kg

 

Folgende Informationen habe ich aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, daher ohne Gewähr:

Die CL190 wurden gebaut von 1969 bis 1977:

MK1 (1969-73) mit handverkabelten Frequenzweichen (bis Nr. 15000)

MK2 (1973-77) mit Frequenzweichen auf Leiterplatten (ab Nr. 15001)

Die Kondensator-Bestückung weicht von MK1 zu MK2 geringfügig ab: die Reihenkapazität von L4 (Mitteltöner) beträgt 16 µF bei MK1 und 30 µF bei MK2.

Herstellung in kleiner Stückzahl durch die Firma HECO, Verwendung von Lautsprecher-Chassis von HECO und Peerless.

Es soll angeblich auch CL190 mit Gummisicken geben (Tief- und Mittel-Tief-Töner). Sollte das stimmen, kann es sich nur um die MK2 handeln. Ansonsten haben die Lautsprecher Schaumstoffsicken.

Der Preis lag 1972 bei etwa 680,- DM/Stück

Angeblich sollen weniger als 1000 Paar verkauft worden sein.

 

 
 
 
 

 

Geschichte einer Restaurierung:

Im Januar 2011 entdeckte ich zufällig bei ebay ein Paar Boxen CL190 von Dual. Ich hatte von den Boxen schon gehört und seit längerem gehofft, irgendwann einmal welche zu besitzen. Immerhin haben die Teile einen legendären Ruf und für den einen oder anderen waren sie das beste, was Dual im Lautsprechersegment bieten konnte.

Nun, die angebotenen Boxen waren angeblich unverbastelt und in einem relativ ungepflegten Zustand. Größere Beschädigungen waren aber nicht erkennbar, lediglich die Schaumstoffsicken aller 6 Tief- und Mitteltieftöner waren gnadenlos zerbröselt. Nachdem ich durchgerechnet hatte, was mich die Reparatur der Sicken kosten würde habe ich mich entschlossen, mitzubieten. Immerhin konnte ich mir die Versandkosten sparen, da ich im Erfolgsfall die Boxen nur 40 km entfernt selbst abholen wollte.

Da es mir schon bewußt war, daß ich sicher nicht der einzige sein würde, der an den Boxen Interesse hatte, habe ich nicht ernsthaft damit gerechnet, mit meinem Maximalgebot eine Chance zu haben. Entsprechend überrascht war ich dann, als ich den Zuschlag noch deutlich unter meinem Maximalgebot erhielt. Wenige Tage später, am 18. Januar 2011, habe ich die Boxen dann in Heidelberg abgeholt - das Abenteuer konnte beginnen!

Beginn der Restaurierung: 04.02.2011

Restaurierungsobjekt: Nr. 014877 und Nr. 014902 (2 Stück Dual CL190 - MK1)

Restaurierungsumfang:

Boxen sorgfältig geöffnet, alle Lautsprecher ausgebaut. Lautsprecher mit zerstörten Sicken zur Reparatur in Fachwerkstatt gegeben. Andere Lautsprecher am Sinusgenerator geprüft, anschließend gereinigt und die Seidenkalotten sehr vorsichtig von Staub befreit. Angerostete Schrauben ersetzt. Vorbereitet zum Wiedereinbau und mit TESA-Dichtband rundum versehen. Nochmalige Prüfung am Sinusgenerator. Entfernen aller Klebereste des originalen Dichtbandes zwischen den Gehäuseteilen. Komplettreinigung innen/außen der Boxengehäuse und entfernen von Kleberesten durch Klebefolie und Filzgleiter außen. Nußbaum-Furnier mit Ballistol-Öl mehrmals behandelt. Frequenzweiche komplett neu verdrahtet und alle Tonfrequenz-Elkos ersetzt (siehe unten). Nach Erhalt der Lautsprecher mit neuen Schaumstoffsicken erfolgt der Zusammenbau. Alle Dichtflächen des Boxengehäuses werden mit TESA-Dichtband präpariert.

Abschluß der Restaurierung: 22.03.2011

 

Frequenzweichenbestückung alt/neu:

L1: 2x60µF ersetzt durch 2x47µF+22µF+3,3µF Folie

L2 und L3: 20µF ersetzt durch 22µF und 30µF ersetzt durch 22µF+10µF

L4: 16µF ersetzt durch 15µF+1µF Folie

L5: 5µF ersetzt durch 4,7µF+0,33µF Folie

 

 
 

 

Zustand vor der Restaurierung:

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Zustand nach der Restaurierung:

Die Erneuerung der Schaumstoffsicken der insgesamt 6 Lautsprecher wurde bei der Firma Peiter Akustik in Pforzheim durchgeführt. Mit der Firma Peiter habe ich schon des öfteren mit positivem Ergebnis zusammengearbeitet, wie auch in diesem Fall.

Bild unten: 1 Satz Lautsprecher mit den neuen Sicken.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Der erste Klangtest wurde von mir mit dem Verstärker (Receiver) CR120 durchgeführt. Mit dem angeschlossenen CS1249 spielte ich als erstes "Your latest trick" und danach "Ride across the river" von den Dire Straits.

Ich muß gestehen, daß ich im ersten Moment etwas erstaunt und irritiert war, den Lautstärkeregler sehr weit aufdrehen zu müssen. Meine kleineren CL180 würden bei dieser Einstellung wahrscheinlich schon davonhüpfen. Aber der Klang ist wirklich gigantisch. Die Höhen brilliant und klar, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Die Bässe weich und trotzdem kraftvoll. Der Gesamteindruck ist sehr ausgewogen und harmonisch. Im Gegensatz zu sehr vielen anderen Lautsprechern ist dieser harmonische Eindruck auch bei sehr kleinen Lautstärkepegeln vorhanden, was sehr angenehm wirkt.

Ferner habe ich die Boxen noch am CV120 betrieben, wo sonst nur die CL180 aktiv sind. Dieser Test hat beinahe zum Verlust meiner Vitrinentüren geführt. Während gerade das Stück "May be a price to pay" von Alan Parsons Projekt lief, habe ich ein wenig am Klangsteller herumgespielt. Plötzlich hatte ich das Gefühl, ich würde im Luftzug stehen und bemerkte gleichzeitig, wie das Glas der Vitrinentür immer stärker zu schwingen begann. Hätte ich nicht sofort die Lautstärke heruntergefahren wären vermutlich die Scheiben geplatzt. Zwischen den Boxen und der gegenüberstehenden Vitrine (Abstand immerhin etwa 9 m) hat sich vermutlich eine stehende Welle mit Resonanzüberlagerung gebildet, ausgelöst durch die im Lied vorhandenen Frequenzen. Beim nächsten Stück auf der Schallplatte war der Effekt mit den gleichen Verstärkereinstellungen nicht reproduzierbar. Somit können Fragen bezüglich es Schalldrucks durchaus guten Gewissens mit "ausreichend" beantwortet werden!

 

Ich finde die CL190 sehr gut geeignet für konventionell gemachte Musik. Liebhaber rein elektronisch erzeugter Töne würden wahrscheinlich weniger glücklich werden, vor allem wegen des dafür zu weichen Bass-Charakters.

Ich bin jedenfalls froh, daß ich sie habe und werde sie auch nicht hergeben!

Das ganze Projekt hat mich rund 460,- Euro gekostet und wenn es tatsächlich stimmen sollte, daß die Boxen unter echten Kennern um die 1300,- Euro (Paar) gehandelt werden, dann hat sich das ganze unterm Strich doch echt gelohnt, oder nicht?

 

 

Dual CL 190

(0311)

 

Stand 26.11.2012